Jetzt bin ich ganze 5 Wochen, hier in Australien, hier am Vorstadtrand von Melbourne, und doch ist noch kein einziges Wort gefallen über die Stadt selber. Und das, obwohl ich inzwischen 4 volle Tage in ihrem Zentrum verbracht habe. Ja, ich gestehe, ich drücke mich davor. Seit 2 Wochen schreibe ich über alles, außer über Melbourne selbst. Warum, fragt ihr? Ganz einfach, mir fehlen die Worte. Doch hier und jetzt werde ich es versuchen, werde mich mit Hilfe von Bildern und Assoziationen an diese Millionenmetropole heranpirschen und vielleicht gelingt es mir ihre Atmosphäre und ihr Leben einzufangen.

Flinders Street Station, was für ein Ort um anzukommen, was für ein erster Eindruck. Habe gleich die Kamera gezückt und mein allererstes Melbourne Foto gemacht. Eindeutig nicht die beste Einstellung, aber wann ist der erste Eindruck vollkommen? Rechts ist der Rand des Federation Square zu sehen, links die St Paul’s Cathedral. Diese Kathedrale ist die erste von vielen, die ich nicht von innen gesehen habe. Aus einem ganz einfachen Grund: immer wenn ich eine Kirche besichtigen wollte, wurde gerade ein Gottesdienst abgehalten und ich wollte nicht unnötig stören. Ich habe immer noch nicht herausgefunden, ob ich von Murphy genarrt werde oder ob die Australier ein so unglaublich gottesfürchtiges Volk sind.

 

Fed Square!

Nun, da sieht man den Federation Square schon etwas besser. Ich habe mich von Anfang an in ihn verliebt, trotz aller geometrischen Strenge und des synthetischen Grases. Vielleicht, weil er immer dicht gepackt mit Menschen ist, tratschend, lauschend, essend; vielleicht wegen der Bühne, der Live Musik, der Museen, der Cafes; vielleicht wegen der Nähe zur Yarra (dem Fluß); oder vielleicht einfach nur, weil man hier wirklich im Herzen von Melbourne ist.

Das moderne Melbourne...

Und dann wandert man durch eine Stadt, laut, modern, voller Wolkenkratzer und breiter Straßen, Handyshops, 7Eleven-Shops und Sushi-Takeaways an jeder Ecke. Und man wundert sich, wo die touristischen Offenbarungen sind, wo das alte Melbourne steckt, die Geschichte, die Goldgräberstadt.

... und das 19. Jahrhundert!

Und dann geht man um eine Ecke und da steht ganz nebenbei und ohne viel Getue das 19. Jahrhundert direkt vor einem. Nur ganz kurz ahnt man es und ist schon wieder in den Strudel der Shopping Centers und Geschäftszentren hineingezogen.

Aber dann ist da noch China Town. Nur ein Straßenzug, aber doch eine ganz andere Welt. Lokale, wohin das Auge reicht: „Spicy Temtation“, „Shark Fin“, „Orchid Garden“, chinesisch, malayisch, japanisch… Inge wurde gesagt, es ist unmöglich in Melbourne schlecht zu essen. Nun ja, dort habe ich es geschafft, so fettige Tempura in solch altem Öl herausgebacken, da braucht es schon die Kunst eines Japaners um das zusammenzubringen. Aber was solls, zusammen mit Inge wagte ich einen zweiten Versuch, und die Wontons und Dim-Sum waren … delicious.

the millenium dragon... er braucht 80 Träger!

Auch chinesisch Neujahr habe ich erlebt. Ein Riesenspektakel! Leider nicht den großen Drachen, den Millenium Dragon bekam ich nur im Museum am Tag zuvor zu sehen. Dafür eine Menge Löwentänzer, die sich zu zweit unter einem Löwenkostüm akrobatischst zu Trommelrhythmen bewegen. Und dann das unvermeidliche Feuerwerk Das besondere am chinesischen Neujahrsgekrache ist, dass sie nicht einmal versuchen es auch optisch interessant zu gestallten. Nein, sein ganzer Zweck ist laut zu sein. Und das ist es auch. Sehr laut!

der Eingang ins kulinarische Paradies

 

wunderbar bunt! wunderbar süß?

Natürlich, Melbourne liegt ja am Meer!

Der Victoria Market! Wer Märkte liebt, kann ihn nicht ignorieren. So groß! Früchte, Gemüse, Leckereien, Touristenramsch, Hühner und Gänse, Fisch, Krabben, Fleisch… Dann Lokale, Bars, Cafes, Kochschulen, Kosmetikläden, Süßigkeitenmacher, Konfiserien, ach ich denke, ich müsste schon noch ein Weilchen in Melbourne leben um diesen Markt wirklich überblicken zu können.

Im Gras liegend...

... und vor Cook's Cottage!

Neben all seinen großen Straßen hat Melbourne auch unglaublich viele Parks. Groß, grün und viel, viel Wiese, die betreten werden darf. Was für ein Unterschied zu Wien. Das lustige ist nur: in den Wiener Innenstadtparks darf niemand die Wiese betreten und trotzdem sind alle Grünflächen voller Menschen, redend, trinkend, schlafend, spielend. Und hier in Melbourne ist es nicht verboten und der Rasen ist leer. Naja, vielleicht waren Inge und ich auch an der falschen Stelle. Bei all den großen Parks ist es schwer zu wissen, wo man auf der Wiese fläzen muss um gesehen werden zu können.

Zurück an Flinders Street Station, auch so ein Ort, wo das Victorianische England hervorblinzelt(leicht zu finden: gelb!). Zeit in den Zug einzusteigen, die Glen Weaverly Line bis nach Jordan Street, ganze 25 Minuten Vorstädte über Vorstädte. Dann ein kurzer 10 Minuten Spaziergang, zweimal um die Ecke und schon bin ich wieder zuhause, in der allzu ruhigen, allzu ordentlichen Vorstadtidylle.