Ich habe ihn ja schon vermisst, den Zufall, der alle ungünstigen Zufälle zusammenkommen lässt. Aber ich hätte mich nicht sorgen müssen, er bleibt verlässlich an meiner Seite!

Donnerstags war ich nach getaner Arbeit unterwegs zum Supermarkt, mit großen Plänen. Das erste Mal richtig kochen, mir Hühnchen leisten, Reis, Gemüse und mich an ein Curry wagen… purer Luxus in einem Land, in dem ich 4 Dollar für eine (zugegebenermaßen sehr große) Paprikaschote zahle. Guten Mutes machte ich im Vorhinein einen Abstecher zum Bankomaten. Denn es warteten gerade 15 Dollar in meiner Brieftasche, zu wenig für so ein königliches Vergnügen. Also: Karte rein, ratter-ratter, Karte raus… Warte! Karte raus? Und am Bildschirm: Sorry, we could not read your card. Kontrolle: Maestro-Zeichen vorhanden! Deswegen: blöder, weil kaputter Automat. Gut, dass gleich daneben der nächste Automat wartete. Nur, gleiches Spielchen, etwas anderer Text. Keine Panik: Karte putzen, nochmal in den Automaten. Nach vier Versuchen hatte selbst ich begriffen, dass es heute wohl kein Geld geben würde.

Alles kein Problem. Meine VISA Karte habe ich ja mit. Nur, der PIN liegt zuhause. Aber wozu hat frau einen lieben, treusorgenden Flo, der den Code ganz simpel herausfinden kann. Deswegen, schnell zum Telefon gegriffen, wenn ich Glück habe, erwische ich Flo noch bevor er auf die Uni fährt. Nur, während das Telefon klingelt und ich Flos Anrufignoranz verfluche, fällt mir etwas ganz anderes ein. Wollte Flo nicht gerade heute nach Bern fahren? War das nun ein Nachtzug oder nicht? Oh, bitte, lass Flo noch in Wien sein! Doch da: Mailbox. Und dann eine freundliche, weibliche Stimme auf Englisch, die mit mitteilt, dass mein Guthaben nun aufgebraucht ist. Da steh ich nun, ohne Handy, ohne Flo und mit 15 Dollar für die nächsten 5 Tage. Und schon ist mein Luxuseinkauf ist zum Spareinkauf geworden: Spaghetti, Pesto, die billigsten Cereals, asiatische Fertignudeln, und dass ich noch etwas Vitamine zu mir nehme, 3 Äpfel.

Zuhause such ich all mein Kleingeld zusammen und bin das erste Mal froh, dass ich so eine chaotische Geldverwalterin bin. Es kommen dann doch nochmal 15 Dollar zusammen. Wunderbar, Grundvorrat an Essen ist gesichert und für Kleinigkeiten reicht das restliche dann auch noch. Nur, Pläne sind eine wunderbare Sache, die Wirklichkeit eine andere. Denn als ich am nächsten Tag bei David vorbeischaue, komme ich im Campus Centre vorbei. Es ist nach Mittag, Abverkauf des restlichen Essens. 4 Dollar für eine gesamte Mahlzeit, die nicht Spaghetti mit Pesto beinhaltet, scheinen mir wunderbar. Also gekauft. Nur, ich hatte nicht gerechnet, dass David mich einlädt auf ein Bierchen mit der Arbeitsgruppe mitzukommen. PANIK! Weil, endlich lerne ich die ominöse Arbeitsgruppe kennen, endlich komme ich mal unter Leute. So sag ich schweren Herzens zu, auch wenn mir Angstschweiß auf der Stirn steht (in der City kann ein Bier schon mal 8 Dollar kosten). Zum Glück waren die Campuspreise gemäßigt (3.50 für ein Seidl) und das eine Bier blieb wirklich ein einziges Bier (Australier sind seltsam), aber ich hatte nach dem Tag begriffen, dass ich nie und nimmer weitere 4 Tage mit den restlichen 7 Dollars auskommen würde. Naja, auskommen schon, aber das mit noch mehr als der gewohnten sozialer Isolation und gesundheitlich äußerst bedenklicher Nachwirkung.

Ich biss also in den sauren Apfel und lieh mir Geld. Adrian war unglaublich nett und erzählte seine Katastrophengeschichten (er hatte in seiner Zeit in Deutschland ähnliches erlebt). Nur, Barbara hat leider zugehört. Und nun will sie die ganze Zeit ein Vermögen nach dem anderen abheben um mich zu unterstützen. Es ist ihr nicht klar zu machen, dass die 30 Dollar, die ich nun in der Tasche habe, voll und ganz ausreichen um meine Situation zu erleichtern. Und noch viel weniger, dass mir keine australische Bank aus der Misere helfen kann. Ob ihr das System eines Bankomaten so klar ist, da bin ich mir nach gestern Abend auch nicht mehr so ganz sicher.

PS: um den Fluss der Geschichte nicht zu stören, habe ich zwei Murphy-Details unterschlagen. Es waren eindeutig sehr murphyhafte 24 Stunden!